besser leben

Das Burnout-Syndrom

Das Ausgebranntsein infolge beruflicher oder gesellschaftlicher Dauerüberlastung wird in diesem Begriff gut ausgedrückt. Der medizinische Terminus "psychovegetatives Erschöpfungssyndrom"  ist viel zu umständlich. Der Burnout-Begriff wird in erster Linie bei Menschen in sozialen Berufen - Ärzten, Krankenschwestern, Lehrern - und allgemein auch bei lang anhaltenden Belastungen im Pflege- und häuslichen Bereich angewandt. Daran kann man schon erkennen, dass auch Mitglieder der Kirche, die sich neben den beruflichen oder familiären Aufgaben mit großem Eifer und Engagement im Dienst für ihre Mitmenschen oder den Programmen der Kirche  aufopfern, davon betroffen werden können. Das hängt sehr von der eigenen Persönlichkeit ab. Im Vergleich zur Depression ist das Burnout-Syndrom anscheinend das kleinere Übel und mit einem geringeren Stigma behaftet.

Erste Anzeichen:  Wenn man acht oder mehr Stunden intensiv gearbeitet hat, ist man abends müde. Es folgt die Erholungsphase - im Kreis der Familie, beim Sport oder auf eine andere angenehme persönliche Weise. Die Welt ist wieder in Ordnung. Entspannung nach Anspannung funktioniert dann, wenn man sich im privaten Bereich in der Familie, mit dem Partner oder den Freunden aber auch mit den Mitgliedern der Gemeinde, den Priestertumsführern und Organisationsleitungen wohl fühlt. Die Belastungen des Alltags sollten in diesem Bereich kompensiert werden können. Fremdbestimmung wird immer als sehr belastend empfunden und jeder braucht seinen eigenen Handlungsspielraum, sonst kann es keine richtige Entspannung geben. Wenn diese Erholungsphase zu kurz kommt oder über längere Zeit nicht mehr richtig funktioniert, rückt die körperliche Erschöpfung in den Vordergrund. Man hat weniger Energie, versucht aber trotzdem weiter zu kämpfen. Die Konzentration lässt schnell nach und die Fehler häufen sich. Selbst wenn man etwas Zeit hat, findet man keine Muße mehr zur Erholung. Schlafstörungen, schwankender Blutdruck und Herzstolpern bei hohem Pulsschlag werden häufiger. Die Erschöpfung breitet sich aus und man fühlt sich geistig ausgelaugt, hat keine Einfälle mehr, möchte nicht mehr lesen und versucht sich irgendwie mit Fernsehen abzulenken. Die Schlafstörungen werden hartnäckiger und man sucht nach geeigneten Schlafmitteln, meistens ohne den gewünschten Erfolg.

Die wichtigsten Beschwerden

  • Körperliche Erschöpfung:  Energiemangel, chronische Müdigkeit, Schwächegefühl und psychosomatische Beschwerden
  • Emotionale Erschöpfung:  Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit und innere Leere, manchmal auch Reizbarkeit
  • Geistig-mentale Erschöpfung:  Leistungseinbußen, Kreativitätsmangel und Gefühl der Sinnlosigkeit
  • Soziale Erschöpfung:  das Gefühl, ausgesaugt zu werden; sozialer Rückzug; die Gefahr, dass sich der Arbeitsstress auch auf den Lebensbereich Partnerschaft, Familie und Gemeinde überträgt

Zusammenhänge:  Das alles sind, nur in einer anderen Zusammenstellung, die bekannten Stress-Symptome. Das Burnout-Syndrom entspricht also den Symptomen beim Dauerstress. Auch wird die Nähe zu den depressiven Symptomen deutlich. Im Vordergrund steht hier allerdings die Erschöpfung. Beim Burnout-Syndrom begegnen uns viele der bekannten Stressoren. Die äußeren Belastungen mit der ständigen Überforderung geben den Ton an. Aber neben den situativen Stressoren kann man hier Prozesse erkennen, die den Dauerstress unterhalten. Es tut sich eine immer größere Schere zwischen dem Wunsch nach Lebenserfüllung und den Anforderungen des Alltags auf. Fehlende Autonomie, das Eingeschlossensein in ein gewisses System und der Mangel an Anerkennung lassen persönliche Ziele als unerfüllbar erscheinen. Jemand, der keine hohen Ziele hat, dem seine berufliche oder kirchliche Arbeit oder sein persönlicher Fortschritt gleichgültig sind, wird solchem inneren Druck nicht ausgesetzt sein.

Die richtige Perspektive erlangen:  Elder Anthony D. Perkins von den Siebzigern zeigt uns in seiner Ansprache zur Herbst-Generalkonferenz 2006  den Weg zur richtigen Perspektive in unserer ganz individuellen Situation. Wer ausgebrannt ist braucht Ruhe, Zeit für sich selbst und meistens ärztliche Hilfe, bis er die richtige Perspektive für sich, seine Lebenssituation und seine Mission hier auf Erden wiedererlangt hat. Und er braucht Liebe und Verständnis vom Ehepartner, der Familie und den Mitgliedern seiner Gemeinde. Mich bewegt in diesem Zusammenhang die Erinnerung an ein Bild, auf dem der Heiland ein kleines Kind, das auf seinem Schoß sitzt, liebevoll mit den Armen umschließt. Wer es schafft, sich im Geist wie ein kleines Kind von den Armen Seiner Liebe umschließen zu lassen, wird schnell einen neuen Blickwinkel für sein eigenes Leben finden. Elder Perkins sagte in seiner Ansprache: "Kleine Kinder spüren und wissen, was Sie möglicherweise vergessen haben. Sie sind ein geliebter Sohn, eine geliebte Tochter des himmlischen Vaters, und von unermesslichem Wert, der so groß ist, dass Jesus Christus sein Leben für Sie gegeben hat."

Geistige Aspekte erkennen:  Präsident Thomas S. Monson  gibt uns folgenden Rat: "...,dass wir uns von unserem hektischen Tagesablauf lösen und uns die Zeit nehmen müssen, in uns zu gehen und über die ewigen Wahrheiten und darüber nachzudenken, wo die Freude und das Glück zu finden sind, nach denen doch jeder Mensch strebt. Wenn wir das tun weichen die weltlichen, die mechanischen, die sich ständig wiederholenden Muster unseres Lebens den geistigen Aspekten, und wir erreichen eine Dimension, die wir dringend brauchen und die uns inspiriert, wie wir unser tägliches Leben gestalten sollen. Wenn ich diesen Rat befolge, muss ich an meine Familie, an Erlebnisse mit Freunden und kostbare Erinnerungen an besondere Tage und stille Abende denken, und dies verleiht mir stille Gelassenheit."  (Liahona Dezember 2006, Botschaft von der Ersten Präsidentschaft)