Weise sein im Denken und Handeln
Aus psychologischer Sicht sind die meisten Menschen von Natur aus nicht weise. Einerseits wegen Mangel an Wissen und Erkenntnis, andererseits wegen den natürlichen Trieben und Neigungen. Aber der Mensch ist in der Lage zu lernen. Am wirkungsvollsten lernen wir aus eigenen Fehlern. Die bessere Variante ist, von den Erfahrungen anderer zu lernen; das erspart die oft schmerzlichen Folgen der eigenen Fehler. Aber es gibt eine noch bessere Variante des Lernens. Sie hat etwas mit Glauben und Wahrheit zu tun. Der Schöpfer des Universums und des Lebens ist die Quelle aller Wahrheit, die wir heute in den Heiligen Schriften und den Worten der Propheten finden können. Wer durch Glauben aus dieser Quelle lernt und lebt, wird kontinuierlich an Weisheit zunehmen. Er macht weniger Fehler, lernt schneller und trifft bessere Entscheidungen. Wie gut ist es doch, von so einem Menschen geführt zu werden. Und wie viel besser ist es, selbst so ein weiser Führer zu sein; für die Familie und alle Menschen, auf die man Einfluss nimmt. Zu solchen hat der Herr gesagt: "Ihr seid das Salz der Erde" und "ihr seid das Licht dieser Welt". (Matthäus 5:13,14)
Neue Herausforderungen: Wer die Ansprachen der letzten Generalkonferenzen mit denen vor zwanzig Jahren vergleicht, wird feststellen, dass die Mitglieder heute vor anderen Herausforderungen stehen. Einige Versuchungen haben andere Gesichter bekommen, aber auch die Prioritäten haben neue Stellenwerte. Die Bedrängnisse, unter denen viele Mitglieder leiden, haben zum Teil beängstigende Dimensionen angenommen. All diesen Herausforderungen sind wir gewachsen, wenn wir lernen, weise zu sein. Elder M. Russel Ballard zitiert in seiner Ansprache zur Herbst-Generalkonferenz 2006 folgende Stelle aus dem Buch Mormon: "O seid weise; was mehr kann ich sagen?" (Jakob 6:12)
Fehler im zwischenmenschlichen Bereich: Es ist ganz normal und gewiss auch unvermeidlich, dass man beim Umgang mit anderen Menschen Fehler macht. Im Allgemeinen bekommt man dafür die entsprechende Reaktion, kann sich entschuldigen und die Sache ist wieder in Ordnung. War die Reaktion deutlich genug, macht man den Fehler nicht so schnell wieder. Anders ist es, wenn jemand in Führungsstellung Fehler macht. Dann bleibt die Reaktion oft aus, da der Respekt vor dem Amt des Betreffenden eine gewisse Zurückhaltung bewirkt. Dieser Umstand kann dazu führen, dass verletzte Gefühle länger an der Seele nagen und sich Konflikte verhärten. Wer die Entscheidungsfreiheit seiner Mitmenschen nicht voll und ganz achtet, wird unweigerlich in Selbstherrlichkeit verfallen und den rechten Geist verlieren. Jedes Mitglied in Führungsstellung sollte sich dieser Verantwortung bewusst sein. Die Folgen von solchen Fehlern wiegen immer sehr schwer, auch wenn sie nur in guter Absicht entstanden sind. Das erklärt auch diese deutliche Offenbarung: "Traurige Erfahrung hat uns gelehrt: Fast jedermann neigt von Natur aus dazu, sogleich mit dem Ausüben ungerechter Herrschaft anzufangen, sobald er meint, ein wenig Vollmacht erhalten zu haben." (LuB 121:39)
Eitler Ehrgeiz: Dieser Begriff aus LuB 121:37 bezeichnet unmissverständlich, dass das Denken und Handeln darauf ausgerichtet ist, sich selbst hervorzutun um Anerkennung, Ehre oder sonstige Vorteile zu erlangen. Leider ist eitler Ehrgeiz auch im Kirchenleben anzutreffen. Wahrscheinlich deswegen, weil der Aufruf, seine Berufung groß zu machen damit verwechselt wird, sich selbst in seiner Berufung groß zu machen. Wer aufrichtig dient, nimmt sich selbst nicht so wichtig. Ihm geht es nicht darum, die Vorgesetzten zu beeindrucken. Er will kein Lob für das, was er leistet. Für ihn sind die Menschen wichtig, denen er dient. Elder Ballard sagte in seiner Ansprache im September 2006: "Um anderen wirklich dienen zu können, müssen wir uns bemühen, sie als einzelne Person zu verstehen - ihre Persönlichkeit, ihre Stärken, ihre Sorgen, ihre Hoffnungen und Träume, - damit die richtige Hilfe und Unterstützung angeboten werden kann." Ein weiser Diener kennt den Unterschied zwischen anbieten und aufdrängen.
Ausgewogenheit: "Wir müssen uns bemühen, alles im richtigen Gleichgewicht zu halten. Wir dürfen nie zulassen, dass unser Dienst unsere Aufmerksamkeit für die anderen wichtigen Prioritäten unseres Lebens verdrängt. Denken Sie an den Rat König Benjamins: "Und seht zu, dass dies alles in Weisheit und Ordnung geschieht; denn es ist nicht erforderlich, dass der Mensch schneller laufe, als er Kraft hat." (Mosia 4:27) Gelegentlich gibt es einige, die so viel Energie in ihre Berufung stecken, dass ihr Leben aus dem Gleichgewicht gerät. Sie machen ihren Dienst unnötig kompliziert, und zwar mit überflüssigen Extras, die zu viel Zeit beanspruchen, zu viel Geld kosten und zu viel Energie aufbrauchen. ...Die Anweisung, unsere Berufung groß zu machen ist kein Gebot, sie unnötig auszuschmücken und zu komplizieren. Innovativ zu sein bedeutet nicht zwangsläufig, etwas auszubauen; oft bedeutet es zu vereinfachen. ...Ausgewogenheit ist nur möglich, wenn Dinge rechtzeitig erledigt werden; nicht, wenn wir unsere Vorbereitungen immer wieder hinausschieben oder unseren Verpflichtungen erst in letzter Minute nachkommen." (Zitat Elder Ballard, GK Herbst 2006)
Schuldgefühle: "Vermeiden Sie Schuldgefühle. Ich hoffe, es versteht sich von selbst, dass Schuldgefühle keinesfalls die richtige Motivationsmethode für Führer und Lehrer im Evangelium Jesu Christi sind. Wir müssen stets liebevoll und durch ehrliche Anerkennung motivieren, niemals, indem wir Schuldgefühle erzeugen. ...Dennoch gibt es diejenigen, die aufgrund ihres Dienstes in der Kirche Schuldgefühle haben. Diese Gefühle entstehen, wenn unsere Zeit und unsere Aufmerksamkeit von miteinander konkurrierenden Anforderungen beansprucht werden. Als sterbliche Menschen können wir einfach nicht alles auf einmal tun. ...Oft kann das bedeuten, einer Aufgabe zeitweise weniger Aufmerksamkeit zu schenken, um sich zunächst einer anderen Verpflichtung zu widmen." (Zitat Elder Ballard, GK Herbst 2006)
Gesundheit: "Wir müssen einfach klug sein, indem wir auf unsere Gesundheit achten und den Rat befolgen, den Präsident Hinckley uns oft erteilt hat, nämlich unser Bestes zu geben. (nicht mehr und nicht weniger) Mir scheint, der Schlüssel liegt darin, dass wir die eigenen Fähigkeiten und Grenzen erkennen und dann das eigene Tempo (selbst) bestimmen." (Zitat Elder Ballard, GK Herbst 2006
Schnell im Beobachten: "Eine weitere scheinbar einfache und vielleicht unterschätzte Geistesgabe, nämlich die Fähigkeit, "schnell im Beobachten" zu sein (Mormon 1:2), ist für uns alle in der Welt, in der wir jetzt leben und in der wir noch leben werden, von wesentlicher Bedeutung. ...Ihr Erfolg und Ihr Glücklichsein in der Zukunft hängen in großem Maße von dieser geistigen Fähigkeit ab. ...Schnell im Beobachten zu sein, bedeutet nicht nur zu schauen oder etwas zu sehen, sondern auch, es wahrzunehmen und zu beachten ...und darauf zu reagieren. (Zitat Elder David A. Bednar, Liahona Dezember 2006, Seite 15)