besser leben

Das Wort der Weisheit

 Am 27. Februar 1833 gab der Herr dem Propheten Joseph Smith eine Offenbarung, in der er "die Ordnung und den Willen Gottes in bezug auf die zeitliche Errettung aller Heiligen in den letzten Tagen"  kund tat (LuB 89:2).  Diese Offenbarung, die wir als das "Wort der Weisheit"  bezeichnen, wird von vielen Mitgliedern unterschätzt. Einmal, weil man meint, dass man dieses Gesundheitsgesetz ja sowieso befolgt, und zum anderen, weil man die tiefe Bedeutung dieser Offenbarung nicht erkannt hat. Wenn man sich ein wenig mit den medizinischen Erkenntnissen unsrer Zeit befasst, wird man erstaunt sein, wie tiefgreifend die Ernährungsrichtlinien im Abschnitt 89 von "Lehre und Bündnisse"  sind. Es ist genau der Teil dieser Offenbarung, der leider für viele  Mitglieder der Kirche nur geringe Bedeutung hat. Wahrscheinlich hält es kaum jemand für möglich, dass es hier nicht nur um die physische Gesundheit geht, sondern auch um tiefgreifende Einflüsse auf das Nervensystem des Körpers. Genauer gesagt, das vegetative Nervensystem.

Welchen Einfluss hat das  Vegetative Nervensystem  auf unser Wohlbefinden? Es steuert nicht nur Herzschlag und Verdauung, Körpertemperatur, Schlaf, Atmung und Nierentätigkeit, sondern auch unsere Spannkraft und Fröhlichkeit, unsere Energie und Leistungsbereitschaft - also alle wichtigen Körperfunktionen, die nicht vom Bewusstsein beeinflusst werden. Es belebt oder beruhigt die inneren Organe und steuert die Hormondrüsen. Aber es arbeitet nicht völlig unbeeinflusst von Kopf und Körper. Jede seelische Stimmung, jede Aufregung, jeder Stressimpuls wirkt sich auf die Tätigkeit der Lebensnerven aus. Und das passiert über zwei entscheidende Nervensysteme, die Sympathikus und Parasympathikus  genannt werden.

Der  Sympathikus  ist unser quicklebendiger Nerv. Er ist derjenige, der schleunigst auf Ereignisse in unserer Umwelt reagiert. Er lässt Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin frei, er beschleunigt Herzschlag und Atmung, erhöht den Blutdruck, bereitet den Körper auf Höchstleistungen vor und wirkt der Darm- und Blasenentleerung entgegen. Er ist beteiligt an Fieber, an Entzündungen, an Erschöpfungszuständen, an allen Krankheiten, an Übersäuerung und Schilddrüsenüberfunktion.

Der  Parasympathikus  ist der genaue Gegenspieler des Sympathikus, der Abwiegler, der Beruhiger. Er steuert die gesamte Verdauung. Er lässt den Magensaft fließen und die übrigen Verdauungssäfte, er verlangsamt Herzschlag und Atmung, er lässt die Pupillen sich verengen, ist verantwortlich für die Entleerung von Darm und Blase, er ist zuständig für die Tränen- und Speicheldrüsentätigkeit.

Was hat das mit der  Ernährung  zu tun? Die Antwort findet man, wenn man erkennt, was  Säuren und Basen  in unserem Körper bewirken. Das ist allerdings ein sehr umfangreiches Thema. Fakt ist, dass in unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft, wo wir satt zu essen haben und nicht unter Aufbringung von hohen Körperkräften unser Brot verdienen müssen und lieber mit dem Auto fahren, statt zu laufen, die meisten Menschen übersäuert sind, ohne es zu wissen. Säuren entstehen im Körper durch vielerlei Vorgänge. Basen müssen dem Körper immer von außen zugeführt werden. Leider bilden die meisten Nahrungsmittel, die wir gewohnt sind und von denen wir oft mehr essen, als unser Körper braucht, Säuren. Unter anderem bilden sich durch diese Säuren chemische Verbindungen wie Phosphate und Sulfate, die dem Körper basische Stoffe entziehen, damit sie neutralisiert werden können. Vor allem machen Süßigkeiten sauer, während Orangen oder Zitronen uns vom Stoffwechsel her einen basischen Schub geben. Die Säure nimmt auch überhand, wenn in der Nahrung allgemein zu wenig basische Mineralien enthalten sind.  Im Allgemeinen kann man sagen, dass Fleisch und tierische Produkte, sowie Zucker und zuckerhaltige Produkte zur Säurebildung im Körper führen. Wogegen Gemüse, Obst und Getreide, also fast alle pflanzlichen Nahrungsmittel dem Körper basische Mineralien zuführen. Für Getränke gilt, dass Alkohol, Bohnenkaffee und schwarzer Tee die Säurebildung stark unterstützen. Colagetränke und Limonaden wirken wegen ihres hohen Zuckergehaltes wie Säureduschen, wenn man damit seinen Flüssigkeitsbedarf reguliert.

Ein mit Säure überlasteter Körper reagiert völlig anders als ein Mensch, bei dem sich die Körpersäfte im  Säuren-Basen-Gleichgewicht  befinden. Bei der Beeinflussung der beiden genannten Nervensysteme spielt die Säure eine entscheidende Rolle. Sie ist einer der Motoren für den  Sympathikus,  und nicht immer auf sympathische Weise. Säure sorgt für Erregungszustände, wenn eigentlich Ruhe angesagt wäre. Säure lässt Stresshormone explodieren, wenn gar kein Grund dafür vorhanden ist. Säure versetzt unser Abwehrsystem in Bereitschaft und Aktivität, wenn nur harmlose Blütenpollen oder Metallmoleküle in unseren Organismus gelangen. Säure hemmt die Verdauung und die Ausscheidung von Schadstoffen, sie begünstigt jede Form von Krankheit. Eine basische Stoffwechsellage dagegen wirkt auf den  Parasympathikus. Sie sorgt für geregelte Verdauung, für Schlaf und Erholung, kurzum: für Gesundheit. Zu viel Säure macht also krank, und Krankheit macht sauer - ein Teufelskreis. Eine basische Stoffwechsellage dagegen verstärkt eine allgemeine positive Gemütsstimmung - und umgekehrt kann ein entspannter Geist, der sich mit positiven Gedanken abgibt, der Übersäuerung des Körpers entgegenwirken. Die Wirkung der basischen Stoffwechsellage auf Gemüt, Leistungsfähigkeit und Ausgeglichenheit ist auf den ersten Blick erstaunlich, aber recht einfach zu erklären: Zum Beispiel bewirkt eine basische Stoffwechsellage auch die vermehrte Produktion des Gallenwirkstoffs Cholin, aus dem der Körper wiederum ein sogenanntes Gewebshormon mit dem Namen Azetylcholin herstellt. Letzteres ist ein wahrer Wunderstoff, denn er wirkt der Verspanung der Muskeln entgegen, er normalisiert die Herztätigkeit, verhindert die Verkrampfung der Blutgefäße und senkt dadurch den Blutdruck, er beruhigt einen nervösen Darm - alles in allem: Er macht gründliche Entspannung und wirkliche Erholung erst möglich.

Wie merke ich, dass mein Körper übersäuert ist?  Sie leiden chronisch unter Kopfschmerzen, sie fühlen sich abgespannt, sie sind chronisch müde, sie quälen sich mit saurem Aufstoßen und probieren alle möglichen Mittel gegen ihre Verstopfung. Sie haben auch keine rechte Freude am Leben mehr. Ihr Rücken schmerzt, der Nacken ist verspannt, die Haut neigt zu Ekzemen. Nase und Augen reagieren mit Fließschnupfen und Tränen auf Blütenpollen, Parfüms, Zigarettenrauch oder Autoabgase. Magengeschwüre, Beschwerden der Bauchspeicheldrüse, der Leber, des Zwölffingerdarms und der Gallenblase müssen nicht einfach lokale, organische Krankheitsereignisse sein. Sie können Anzeichen einer Säurekatastrophe im Körper signalisieren. Auf das Säureproblem deuten auch Schmerzzustände als Folge von Muskelverspannungen hin. Ein Zeichen können auch Migränen und Pilze sein. Krebs, so sagen die Säureforscher, kann das Endstadium einer über Jahrzehnte hinweg wirkenden Säurekatastrophe im Organismus sein. Am Anfang wird der Organismus noch spielend fertig mit der Versauerung. Erst nach einiger Zeit der Übersäuerung kommt es, dass es da und dort zwickt und zwackt - vielleicht ein Hexenschuss, vielleicht mal Sodbrennen, ein unerklärlicher Durchfall nach einer besonders üppigen Feier. Viel später erst stellen sich die Probleme ein, die gern zu den Zivilisationskrankheiten gezählt werden, gegen die Ärzte oft machtlos sind, oder die man einfach dem Stress zuschreibt. Krankheiten wie Rheuma und Arthrose sind wahre Volksleiden geworden. Und kein Wissenschaftler kann ihre genaue Ursache erklären. Eine etwas zutreffendere Vorstellung haben da schon die Mediziner, die etwas vom Säuren-Basen-Gleichgewicht im menschlichen Organismaus verstehen. Die Säuretheorie kann natürlich nicht alle Krankheiten dieser Welt erklären. Aber zumindest ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass bei allen Krankheiten gleichzeitig eine Übersäuerung des Organismus vorliegt. Migräne und Rheuma, Krebs, Herzinfarkt und Zuckerkrankheit, Psychosen und Neurosen sind grundsätzlich begleitet von einem Abrutschen des Organismus ins saure Milieu. Und es gibt inzwischen unzählige Beispiele dafür, dass sich Krankheiten erstaunlich rasch bessern, wenn das Grundübel behandelt wird, nämlich die Übersäuerung.

Wie kommt man zu einem  Säuren-Basen-Gleichgewicht  im Organismus?  Die Antwort ist kurz und allumfassend: in dem man nach dem "Wort der Weisheit"  lebt. Allerdings in vollem Umfang. Würde der Herr dieses Gesundheitsgesetz heute geben, dann wäre nach meiner Überzeugung noch ein Zusatz enthalten. Nämlich die Ermahnung, sich täglich ausreichend zu bewegen. Hätte der Herr es den Heiligen damals gesagt, die von morgens bis abends körperliche Anstrengungen zu bewältigen hatten, dann wäre das nicht nur überflüssig, sondern wie ein Hohn für sie gewesen. Heute ist die  Bewegung  genauso wichtig, wie die Auswahl der Nahrung. Sport entsäuert nicht nur, sondern stärkt auch das Immunsystem, macht leistungsfähiger, weniger stressanfällig und sogar glücklich. Schon der zusätzliche Verbrauch von 2000 Kilokalorien durch Sport oder Bewegung pro Woche verdreifacht den Schutz gegenüber Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall. Unsere Muskulatur ist die wunderbarste Maschine, die man sich nur denken kann. Denn sie stärkt sich, entgiftet sich und repariert sich durch ständigen Gebrauch von selbst. Durch Schonung und Stillstand aber verkümmert die Muskulatur, wird schwach und träge. Unsere Muskeln wollen beschäftigt sein. Wer sie in mäßiger Ausdauerbelastung trainiert, tut seinem Körper einen dutzendfachen Gefallen. 

Weil der Hinweis auf Bewegung nicht so deutlich im  "Wort der Weisheit"  steht, wird er leider von vielen Mitgliedern nicht ernst genommen. Liest man die Verheißung, die der Herr auf das Befolgen dieses Gebotes gegeben hat und die nicht ohne Grund am Ende steht, wird man in Vers 20 feststellen, dass der Herr die körperliche Bewegung voraussetzt, also als selbstverständlich ansieht: "Und sie werden laufen und nicht ermüden und werden gehen und nicht ermatten". Leider hat sich unsere Gesellschaft so entwickelt, dass es für die meisten von uns nicht mehr selbstverständlich ist, sich regelmäßig aktiv zu bewegen.