Erholung und Entspannung
Viele Menschen glauben, Entspannung setzt automatisch ein, wenn man sich abends gemütlich vor den Fernseher setzt oder übers Wochenende einen Ausflug macht. Teilweise mag diese Auffassung ja zutreffen, jedoch zeigt die Erfahrung, dass etliche Menschen nicht mehr richtig, und zwar tiefenwirksam, entspannen können. Wirkliche Entspannung versetzt uns in einen Zustand, bei dem die Grundspannung in der Stützmuskulatur abnimmt, physiologische Aktivitäten wie Atmung und Herzfrequenz langsamer werden und der Blutdruck sinkt. Um eine umfassende Entspannung zu erzielen, müssen wir uns erst auf den Körper konzentrieren, denn physische und psychische Spannungszustände hängen eng zusammen. Man sollte daher wissen, wie man von einer Beanspruchung, die anstrengt, zu wirksamer Erholung finden kann. Viele Menschen spüren gar nicht mehr, dass sie ständig verkrampft sind. Sie stehen unter andauerndem Leistungsdruck, auch in ihrer Freizeit. Erst wenn Schmerzen und Beschwerden auftreten, werden sie auf ihren Zustand aufmerksam. Für Erholung können Sie auch zwischendurch im Alltag sorgen. Nehmen Sie sich bewusst jeden Tag eine Zeit für sich, in der sie loslassen und abschalten können.
Regelmäßige Pausen: Verplanen Sie nur zwei Drittel Ihrer Zeit, so bleibt noch Luft, falls mal etwas Unvorhergesehenes länger dauert als gedacht. Regelmäßige Pausen, etwa fünf Minuten pro Stunde, bauen Stress ab und Energiereserven wieder auf. Versuchen Sie, einige Minuten ganz bewußt ruhig sowie tief zu atmen und dabei an ein angenehmes Erlebnis zu denken. Nutzen Sie Arbeitsunterbrechungen dazu, sich zu regenerieren. Nutzen Sie Ihre Pausen, um sich richtig zu erholen. Nicht nur der Körper, auch das Gehirn braucht Zeit, um sich von Anstrengungen zu erholen. Achten Sie mal auf Ihren inneren Rhythmus: Spätestens nach 2 Stunden verlangt der menschliche Organismus nach einer Ruhepause. Wir gähnen, verspüren Hunger, verlieren die Konzentration und verspannen uns. Wir spüren das Bedürfnis, uns zu strecken. Tun Sie das! Machen Sie zwischendurch einen kleinen Spaziergang, wenn es möglich ist. Entspannung kann auch bedeuten, sich für eine Weile von den Problemen des Alltags zu verabschieden. Einfach eine Auszeit nehmen.
Tempo herunterfahren: Wir sind zu schnell geworden. Wir sind stolz auf Mikrowelle, Computer und all die Geräte, die Zeit sparen. Wir lassen es zu, jederzeit erreichbar zu sein, selbst dann, wenn eigentlich Muße vorgesehen ist. Wir hetzen, drängeln, rennen und wundern uns, wenn wir am Ende doch kaum Zeit gewinnen. Wenn wir in Zeitbedrängnis geraten, sollten wir uns fragen, ob sich der daraus resultierende Stress nicht vermeiden ließe. Wenn unser Zeitplan daran Schuld ist, dass wir uns überfordert und angespannt fühlen, sollten wir ihn spätestens jetzt ändern. Es ist auf Dauer nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Familie schädlich, wenn unser Zeitplan vorrangig von anderen Menschen bestimmt wird. Präsident Hinckley nannte in einer Führerschaftsversammlung am 21. Juni 2003 vier Verantwortungsbereiche, die Einfluss auf unseren Zeitplan haben sollten und er nannte sie in bestimmter Reihenfolge: Erstens haben wir Verantwortung für unsere Familie. Zweitens sind wir unserem Arbeitgeber gegenüber verantwortlich. Drittens tragen wir Verantwortung gegenüber dem Werk des Herrn. Viertens sind wir für uns selbst verantwortlich. Zum vierten Punkt sagte Präsident Hinckley noch: "Man braucht ausreichend Ruhe und sportliche Betätigung. Man braucht etwas Erholung".
Das einzige Mittel, Zeit zu haben, ist, sich Zeit zu nehmen. Es kann hilfreich sein, sich die Woche möglichst genau zu strukturieren. Wenn es Ihnen hilft, dann schreiben Sie auf, was für Sie wichtig ist. Beschäftigen Sie sich zuerst mit den Dingen, die wirklich Vorrang für Sie haben.
Nein sagen? Die Arbeit in den Programmen der Kirche lebt davon, dass Mitglieder bzw. Familien "JA" sagen, wenn Hilfe gebraucht wird. Und es gibt nichts Segensreicheres, als dem Herrn und den Mitmenschen zu dienen. Kann man diesen Dienst als Familie gemeinsam tun, ist das eine perfekte Gelegenheit. Solche Aktivitäten können erhebend und stärkend sein und sie tragen sehr dazu bei, glücklicher zu werden. Andere Aufgaben wiederum trennen uns von unserer Familie. Auch das kann bei der Arbeit in der Kirche oft notwendig und unvermeidlich sein. Führt es jedoch dazu, dass die Familie darunter leidet und Unzufriedenheit beim Ehepartner und bei den Kindern aufkommt, können sich Konflikte anbahnen, die auf längere Zeit die Familie und einen selbst aufzehren.
Manchmal fühlen wir uns von anderen genötigt, Verpflichtungen einzugehen, die wir eigentlich nicht wollen und die Zeitprobleme und Konflikte hervorrufen. Dann sollten wir gut überlegen, ob nicht ein "Nein" die bessere Antwort wäre. Gönnen wir uns etwas Bedenkzeit, bevor wir eine Entscheidung treffen. Fragen wir den Herrn um Rat. Entscheidungen, die unser Familienleben beeinflussen, sollte man niemals in die Hände von anderen Menschen legen, sondern lieber in die Hände des Herrn. "Nein" sagt sich nicht so leicht wie "Ja". "Nein" sagen ist unbequem. Wenn von mir jedoch etwas verlangt wird, was ich nicht will, dann ist ein klares NEIN zur rechten Zeit besser, als ein unklares JA.
Elder Maxwell sagte in seiner Ansprache am 21. Juni 2003: "Widmen Sie Ihren vorrangigen Aufgaben - Ihrem Ehepartner und Ihren Kindern - vorrangig Zeit! Sonst bekommt die Familie nur noch die Reste".
Zeit mit der Familie: Die schönste Art der Erholung kann man im Kreise seiner Familie finden. Dort ist man mit Menschen zusammen, die man liebt, denen man vertraut und von denen man geliebt und geachtet wird. Die Freude, die im Zusammensein mit der Familie entstehen kann, ist durch kein anderes Mittel zu ersetzen. Sie kann die beste Medizin für unser Nervensystem sein und eine wirkungsvolle Art, sich physisch und psychisch zu regenerieren. Wenn regelmäßige Freizeitaktivitäten im Kreise der Familie zu unserem Lebensinhalt gehören, haben wir eine ideale Grundlage für ein glückliches und gesundes Leben. Natürlich können Kinder manchmal ganz schön nerven und auch mit dem Ehepartner kann es Meinungsverschiedenheiten geben. Sind jedoch Liebe und Freundschaft (wie man es bei einer guten Familie erwarten kann) grundsätzliche Bestandteile der Familienbeziehung, dann ist die Familie die elementarste Energiequelle des Lebens. Und das ist nicht nur bei Mitgliedern der Kirche so. Präsident Hinckley sagte in der genannten Versammlung zu diesem Thema: "Ihre Familie dürfen Sie auf keinen Fall vernachlässigen. sie ist Ihr kostbarster Besitz. Legen Sie gemeinsam mit Ihrer Familie fest, wann Sie mit ihr wie viel Zeit verbringen wollen. Sehen Sie es als eine schöne Zeit, die Sie sich verdient haben."
Hobbys: Als ich auf Arbeit mit neuen Mitarbeitern zusammen kam und, nachdem man sich etwas kennengelernt hatte, die Frage nach den Hobbys gestellt wurde, kam ich etwas in Verlegenheit. Als dann prompt die Frage folgte, was ich denn so in meiner Freizeit tue, kam das Thema wieder auf die Kirche. "Also ist deine Kirche dein Hobby?" Dafür wurde ich etwas belächelt und mir war klar, dass jemand Außenstehender dafür kein Verständnis hat. Dieses Thema lies mich aber nicht mehr los. Es gibt doch in der Lehre der Kirche keinen Hinweis darauf, dass man keine Hobbys haben sollte. Oder hatte es damit zu tun, dass nur so wenig Zeit übrig blieb? Und doch gab es einige sehr aktive Mitglieder, die tatsächlich ein Hobby hatten. Darunter waren sogar Bischöfe und Pfahlpräsidenten von denen man kaum behaupten kann, dass ihnen noch viel Zeit bliebe. Heute kann ich ebenfalls von mir sagen, dass ich ein Hobby habe, und was noch schöner ist, ich teile dieses Hobby mit meiner Frau. Es hilft uns, von den alltäglichen Problemen abzuschalten, einfach eine kurze Auszeit zu nehmen, neue Kräfte zu sammeln und "aufzutanken". Und es hilft uns, wunderbare gemeinsame Erlebnisse zu haben, an die wir gerne zurückdenken und von denen wir zehren, mit herrlicher Vorfreude auf neue gemeinsame Erlebnisse.
Für wirkliche seelische Entspannung sind gute Gefühle wie Freude oder Vorfreude unerlässlich. Das erklärt auch die bekannte Offenbarung im Buch Mormon: "Menschen sind, damit sie Freude haben können" (2. Nephi 2:25). Bleibt die Freude längere Zeit aus, oder ist man einfach nicht mehr in der Lage, Freude zu empfinden, kann das ein Anzeichen von Depression sein und das ist ein sehr ernstes Alarmsignal der Seele.
Hobbys können helfen, zur Ruhe zu kommen: das kann ein musikalisches, handwerkliches oder künstlerisches sein wie Musizieren, Basteln oder Malen. Einige lenkt Schreiben ab, andere kochen am liebsten exotische Gerichte. Manchmal braucht man auch eine Auszeit vom häuslichen Stress. Präsident Hinckley rät in der genannten Ansprache allen Männern: "Behalten Sie sich einen Abend in der Woche vor, den Sie allein mit Ihrer Frau verbringen". Wie herrlich, wenn man diese Zeit in Verbindung mit einem gemeinsamen Hobby nutzen kann.