besser leben

Hilflosigkeit  überwinden

Es gibt Tage, da würde man am liebsten im Bett bleiben. Irgendwie geht man dann doch den täglichen Aufgaben nach, zwar unwillig und müde, aber es muss ja sein. Einfache Dinge machen dann große Mühe und die Gedanken fließen langsamer als sonst. Man macht sich vielleicht Vorwürfe, fühlt sich hilflos und leer. Mitglieder der Kirche neigen oft dazu, diesen Zustand als gerechte Strafe für irgendein Vergehen anzusehen. Wenn aber keine Sünde begangen wurde, können solche Empfindungen, meist begleitet von Selbstzweifel und Schwermut, ganz natürliche Abläufe von Programmen im Gehirn sein. Der Organismus antwortet mit Trauer, wenn wir etwas oder jemanden verloren haben oder wenn ein erhofftes Ziel nicht erreicht wurde. Dieses Gefühl soll als Signal dienen, es vielleicht mit einem sinnlosen Vorhaben nicht weiter zu versuchen. Niedergeschlagenheit ist ein Energiesparprogramm der Natur. Das muss noch nichts mit einer Depression zu tun haben. Wenn das Gefühl für die eigenen Kräfte nachlässt, ziehen wir uns zurück, denken nach, überprüfen uns selbst. Oft gehen wir aus einer solchen Zeit mit größerer Klarheit und Stärke hervor.

Trauer:   Natürlich können wir Schicksalsschläge nicht oder nur sehr bedingt abwenden. Eine Phase der Trauer und des Rückzugs ist eine natürliche und sinnvolle Reaktion auf schreckliche Erfahrungen wie den Verlust eines geliebten Menschen. Diese Gefühle zu bekämpfen wäre falsch. Nur wenn die Trauer nach angemessener Zeit nicht weichen will, sollte man sich Gedanken machen, denn dann hat sie sich von ihrem Anlass gelöst und in unserem Gehirn ein zerstörerisches Eigenleben begonnen. Wir sind dann nicht mehr traurig, weil das Gehirn nach einer Enttäuschung eine kurze Zeit der Neuorientierung braucht, sondern weil die Hilflosigkeit uns regelrecht beherrscht. Die Emotionen, die dem Organismus dienen sollten, richten sich nun gegen ihn. Die Abwärtsspirale einer Depression kommt in Gang. Dann braucht man wirklichen Trost und Hilfe. Hat sich eine Depression entwickelt, ist ärztliche Hilfe notwendig.

An des Herren Hand:   Eine Kraft, die kein Wissenschaftler erklären kann, ein Trost, der den ganzen Körper durchströmt, eine Freude, die unsere Seele erbeben lässt und ein herzliches Erbarmen, das den menschlichen Verstand übersteigt, kommt von dem, der sein Leben gab, um alle Menschen, die guten Willens sind, zu erlösen. Wer nach der Hand des Herrn greift und an ihr festhält, wird von seiner Liebe erfüllt und genährt. Das bedeutet zwar nicht, dass ihm Leid, Probleme und Schwierigkeiten erspart bleiben, aber er kann sich darauf verlassen, dass ihm, wenn er treu bleibt, alles zum Guten gereichen wird. Keine Verheißung bleibt unerfüllt. Das ist eine Tatsache, auf die man sich verlassen kann! Dafür stehe ich mit meiner ganzen Überzeugung. Der Heiland dieser Welt fordert alle Menschen auf, seine Hand zu ergreifen: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht" (Matthäus 11:28). Sein Wort heilt die verwundete Seele. Er tröstet, gibt Hoffnung und neuen Mut.

Sorgen abwerfen:   Der Apostel Petrus schrieb in einem Brief an die damaligen Gemeinden: "Werft all eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch" (1. Petrus 5:7). Sorgen sind eine Form der Angst. Oftmals eine Angst, die übertrieben oder gar unbegründet ist, aber auf Grund von negativen Erfahrungen unsere Vorstellungskraft anregt. Sorgen machen sich besonders dann im Gehirn breit, wenn es leer läuft. Meistens abends, wenn man im Bett liegt und den dringend nötigen Schlaf finden will, können sie die Oberhand gewinnen und unsere Phantasie bis zur Selbsttäuschung ankurbeln. Dann wird schnell aus der "Mücke" ein "Elefant". Wenn solche Sorgen uns plagen, wirken sie zerstörerisch. Sie lösen negative Gefühle aus, die uns lähmen und mutlos machen. Der Herr fordert uns auf, solche Sorgen abzuwerfen: "Sorgt euch nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage" (Matthäus 6:34). Folgen wir dem Rat des Erlösers und lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf das "Heute" und "Jetzt". Werfen wir all unsere Sorgen auf ihn. Er hat die Kraft, unsere Sorgen zu tragen. Er gab sein Leben hin, damit wir leben können, und zwar glücklich. Nehmen wir sein Sühnopfer an, in dem wir unser Leben in seine Hände legen.

Das Schöne im Leben sehen:   Haben Sie schon einmal gehört, wie unterschiedlich es klingt, wenn Regen auf Fensterscheiben, Dächer oder Bäume trifft? Oder haben Sie gesehen, wie sich das Sonnenlicht an Ihren Fingernägeln bricht und winzige Lichtpunkte in allen Regenbogenfarben aufleuchten lässt? Haben Sie schon einmal in aller Ruhe ein Tier beobachtet und festgestellt, wie herrlich es im Einklang mit der Natur lebt? "Seht die Vögel des Himmels an.... Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen..." (Mattäus 6:26,28).  Der Herr hat die Natur zu unserem Nutzen geschaffen. Man kann darin auf so vielfältige Weise seine Hand erkennen. Sie ist etwas Schönes und Wohltuendes. Sie wirkt heilend und beruhigend auf die Seele. Wenn wir die vielen schönen Dinge aus der Natur auf unseren Geist wirken lassen, verfliegt bald die Niedergeschlagenheit und neue Hoffnung nimmt ihren Platz ein.

Dienen:   Jede sinnvolle Beschäftigung hilft gegen Trübsal, denn man nimmt die Zügel des Lebens wieder in die Hand. Wenn man etwas tut, ist das Gehirn gefordert und hat weniger Gelegenheit, dunklen Gedanken nachzuhängen. Noch besser ist es, wenn die Tätigkeit zu Erfolgserlebnissen führt. Es kommt also in Phasen der Niedergeschlagenheit darauf an, sich Ziele zu setzen, aber Überforderung zu vermeiden. Findet man Gelegenheit, seinen Mitmenschen zu dienen, wird die Freude, die man anderen bereitet, die eigene Seele beflügeln. Wer anderen hilft, nicht weil er muss oder aus Nötigung, sondern weil sein Herz ihn dazu begeistert, hat die eigene Hilflosigkeit überwunden.